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Projekte
Auf dieser Seite stellen wir Ihnen ausgewählte Projekte vor, die wir in letzter Zeit bearbeitet haben, und berichten über unsere Arbeitsansätze zu speziellen Themen.
Gewässerverträgliche Landwirtschaft
In den Einzugsgebieten der Muschelgewässer im sächsischen und bayerischen Vogtland hat die landwirtschaftliche Nutzung bislang einen vergleichsweise geringen Intensivierungsgrad. Momentan zeichnet sich jedoch ab, dass die Landwirte die Wertschöpfung aus den Flächen künftig steigern müssen, um auf dem Markt konkurrenzfähig sein zu können. Aktuell stellt sich daher die Frage, wie die besonders hohen Ansprüche der Flussperlmuschel durch eine ökonomisch rentable Landwirtschaft erfüllt werden können.
Vorüberlegungen zu einer flussperlmuschel-verträglichen Landwirtschaft, die wir für das Bayerische Landesamt für Umwelt (Augsburg) in Thesen zusammengefasst haben, deuten darauf, dass nur eine sehr extensive und konservierende, nicht aber eine vorrangig produktionsorientierte Landbewirtschaftung ohne negative Auswirkungen auf die Muschelgewässer wäre. Daher sieht unser Konzept für den Gewässerschutz in der Kulturlandschaft eine Kombination aus moderaten Extensivierungsschritten und Maßnahmen zum naturnahen Stoffrückhalt am Gewässernetz vor (s.u.).
Können Signalkrebse die Flussperlmuschel schädigen?
An einem Perlgewässer in der Oberpfalz wurden ungewöhnliche Beschädigungen an lebenden Flussperlmuscheln beobachtet, für die der eingeschleppte Signalkrebs verantwortlich zu sein schien. Im Auftrag des Fischereiverbandes Oberpfalz e.V. führten wir im Sommer 2008 eine Inventur der Schäden und der Krebspopulation durch.
Dabei zeigte sich, dass die Schalenenden der Flussperlmuscheln mechanisch zerstört sind, so dass die Schale im Extremfall von der Muschel nicht mehr vollständig geschlossen werden kann. Rund 40% aller untersuchten Muscheln zeigten Anzeichen von Krebsübergriffen. Bei einigen Krebsen, die innerhalb der von Muscheln besiedelten Strecke gefangen wurden, war der Scherenfinger oder das Scheren-Endglied abgebrochen. Dies wird als Indiz dafür gedeutet, dass die Krebse tatsächlich für die Schäden an den Muschelschalen verantwortlich sind: Die angegriffenen Muscheln können beim Schalenschluss die Scherenspitze des Angreifers einklemmen und abbrechen.
Im Gewässer wurde eine durchgängige Signalkrebsbesiedlung auf einer Strecke von knapp 7 km durch einmalige Bereusung in 100m - Abständen ermittelt. Temperaturmessungen legen nahe, dass die obere Verbreitungsgrenze durch die geringere Wassertemperatur bestimmt ist. Im muschelführenden Abschnitt wurden bei einer Fang-Wiederfang Untersuchung an vier Fangterminen insgesamt 1.383 Signalkrebse in zwei Probestrecken von je 100 m Länge nachgewiesen. Die Auswertung der Fangergebnisse mit einem Closed-Captures Ansatz im Statistik-Programm MARK schätzt den Krebsbestand auf zusammen 2.350 Tiere. Eine daraus abgeleitete, vorsichtige Hochrechnung beziffert die Krebspopulation innerhalb der 1,1 km langen, von Perlmuscheln besiedelten Strecke auf rund 13.000 Individuen.
Wir schätzen die Schädigung der Muscheln durch Signalkrebse als ernste Bedrohung des ohnehin überalterten und im Rückgang begriffenen Flussperlmuschelbestandes im betroffenen Bach ein. Zu möglichen Schutzmaßnahmen zählen die Evakuierung der Muscheln in den nicht von Krebsen besiedelten Oberlauf sowie der Versuch der Schadensminderung durch Ausfischen der großen, aktiven Tiere innerhalb der Signalkrebspopulation.
Bei den Freilandarbeiten zu diesem Projekt wurden wir tatkräftig von Frau Stefanie Landgraf, die Daten für ihre Facharbeit am Josef-von-Fraunhofer-Gymnasium / Cham erhob, unterstützt.
Bayerns UrEinwohner - Projekt "Von Muscheln und Menschen"
Die Flussperlmuschel- vorkommen Bayerns sind - bis auf wenige Ausnahmen - stark überaltert und in den letzten Jahrzehnten massiv im Rückgang begriffen. Am Beispiel des kulturhistorisch bedeutsamen Perlenbaches zwischen Schönwald und Rehau haben wir versucht, aus einem historischen Blickwinkel heraus Gründe für diese Entwicklung zu finden. Hierzu wurde die frühere Gewässer- und Landnutzung im Einzugsgebiet recherchiert. In Gesprächen mit Ortsansässigen wurde der Wandel insbesondere seit dem zweiten Weltkrieg erörtert.
Tiefgreifende Veränderungen betrafen den Anfall und Umgang mit häuslichen und industriellen Abwässern, die Methoden der Flächenbewirtschaftung, Düngetechnik und -aufkommen sowie Eingriffe in die Gewässer selbst wie Verrohrung oder Begradigung. Dieser Landschaftswandel wird in einer Broschüre beschrieben, u.a. in einer Gegenüberstellung alter und aktueller Geländekarten illustriert und in den Aussagen der befragten Zeitzeugen dokumentiert.
Das Projekt haben wir im Auftrag und in Zusammenarbeit mit den Landschaftspflegeverbänden Landkreis und Stadt Hof e. V. und Naturpark Fichtelgebirge e. V. - Landschaftspflegeverband im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge durchgeführt. Es ist Teil der Kampagne Bayerns UrEinwohner der Bayerischen Landschaftspflegeverbände und des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Mit ihr wird auf einzigartige, schützenswerte bayerische Tier- und Pflanzenarten aufmerksam gemacht.
Flussperlmuschel und die Landnutzung im Einzugsgebiet sächsischer Perlgewässer
Im Auftrag des Zweckverbandes "Naturpark Erzgebirge/ Vogtland" wurde eine Studie zur Belastung der sächsischen Flussperlmuschelgewässer durch die Landwirtschaft erstellt. Mit dem Blick auf die diffuse Belastung aus dem gesamten Einzugsgebiet hat diese Untersuchung Pilotcharakter.
Vor allem Nährstoff- und Schlammeinträge belasten den Lebensraum der Flussperlmuschel. Erosion, Auswaschung überschüssiger Nährstoffmengen und Düngerabschwemmung sind der Beitrag der Landwirtschaft. An Hand von Hochrechnungen neu erhobener und vorhandener Daten wurde deutlich, dass der Landwirtschaft neben den kommunalen Abwässern eine wesentliche Verantwortung für die Minderung der Belastung und die Sanierung der Perlgewässer zukommt.
Die Belastungen wurden durch Kartierung und Datenauswertung begutachtet und bewertet. Es zeigte sich, dass Belastungsschwerpunkte oft weit entfernt von den Hauptbächen und damit in der Regel außerhalb der Schutzgebiete liegen. Stickstoffmessungen in Seitenbächen und Dränagewässern zeigten, dass vor allem aus den Ackerflächen und in geringerem Maße aus dem Grünland Stickstoff ausgetragen wird. Die Wälder trugen trotz der atmosphärischen Stickstoffeinträge noch nicht zur Stickstoffbelastung bei. Die Kartierung der Einzugsgebiete ergab zudem, dass viele Ackerflächen durch Grünland gut vom Gewässernetz abgeschirmt sind. Einige Schläge haben jedoch über Gräben und Seitengewässer einen direkten Anschluss an die Perlgewässer. Hier wurden flächenscharfe Maßnahmenvorschläge wie die Anlage von Dauerbegrünungen und Feuchtflächen zum Nährstoffrückhalt abgeleitet. Zusätzlich wurden Feuchtflächen zur Denitrifikation von ausgewaschenem Stickstoff vorgesehen.
Aus den Habitatansprüchen der Flussperlmuschel wurden allgemeine Minderungsziele für die Belastung abgeleitet. Danach müssen die N- und P- Austräge etwa um die Hälfte bis zwei Drittel reduziert werden. Diese Minderungen sind gleichermaßen von der Landwirtschaft und der Abwasserwirtschaft zu fordern.
Hieraus wurden u.a. folgende konkrete Ziele abgeleitet: Der N-Bilanzüberschuss muss auf im Schnitt 25 bis 35 kg N/ha gesenkt werden. Die Bodenerosion muss weitgehend unterbunden werden. Auf Risiko-Ackerstandorten mit Anschluss an das Gewässer muss ein strenger Erosionsschutz oder die Umwandlung in Grünland gefordert werden. Düngerabschwemmungen müssen durch geeignete Techniken wie z.B. Gülle-Injektionsgrubber und optimierte Ausbringungszeitpunkte unterbunden werden.
In Gesprächen mit den Landwirten wurden die Wirtschaftsweisen und Betriebsstrukturen erfasst. Es zeigte sich, dass alle befragten Betriebsleiter grundsätzlich bereit sind, Maßnahmen zum Gewässerschutz auf ihren Flächen zu akzeptieren oder an ihnen mitzuwirken.
Diese Studie haben wir in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Lenz, Ringelai erstellt.
LIFE-Natur Projekt abgeschlossen
Im Juli 2007 wurden im Life-Natur Projekt Großmuscheln im Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien unter Trägerschaft des Bezirkes Oberfranken die letzten Arbeiten zum Schutz von Flussperlmuschel und Bachmuschel abgeschlossen.
Zu Projektende wurden natürlich aufgekommende junge Flussperlmuscheln und auch junge Bachmuscheln nachgewiesen. Die Bachmuscheln stammen aus der jährlich durchgeführten Infektion der im Gewässer lebenden Wirtsfische.
Die Schutzbemühungen im Dreiländereck gehen weiter. Nährstoff- und Schlammeinträge aus landwirtschaftlich genutzten Flächen belasten noch immer über die Seitengewässer die Muschelbäche und müssen weiter verringert werden. Die Feinsedimenteinte werden bereits in neu
angelegten Schlammfängen teilweise zurückgehalten. Diese Schlammfänge müssen längerfristige unterhalten werden.
Weiter sollen die direkten Artenhilfsmaßnahmen in Form künstlicher Wirtsfischinfektionen fortgeführt werden, um die begonnene Verjüngung der Bestände zu forcieren.
Erfahrungsaustausch mit finnischen Kollegen
Da wir der Ansicht sind, dass nur der Blick von außen eine objektive Wahrnehmung der eigenen Arbeit erlaubt, stehen wir seit Beginn unserer Tätigkeit im Umfeld des Themas „Flussperlmuschel” in regem Kontakt mit deutschen und ausländischen Muschelfachleuten und besuchen andere Projekte.
Nach früheren Exkursionen zu tschechischen, schottischen, britischen, irischen, dänischen, französischen und belgischen Kollegen haben wir im September 2006 zusammen mit finnischen Spezialisten Flussperlmuschelgewässer nördlich des Polarkreises bereist. Lesen Sie hierzu mehr.
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