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Süßwassermuscheln und Gewässerökologie
Seit vielen Jahren ist der Schutz einheimischer Großmuscheln (Unionoidea) unser Spezialgebiet.
Großmuscheln sind als Zielarten gut geeignet, da sie besonders hohe Ansprüche an die Wasser- und Habitatqualität stellen. Dadurch können sie als Indikatororganismen für die von ihnen bewohnten Gewässer ebenso fungieren wie als Schirm- und Flagschiffarten für Schutzprojekte: Erhaltungsmaßnahmen sind immer mit dem Schutz des gesamten Ökosystems verbunden.
Heute sind die meisten Muschellebensräume in Mitteleuropa durch Eutrophierung sowie Verschlammung und Versandung stark verändert. Besonders die Fließgewässerarten - Bachmuschel Unio crassus und Flussperlmuschel Margaritifera margaritifera - sind deshalb inzwischen vom Aussterben bedroht. Zu ihrem dauerhaften Erhalt sind direkte Artenhilfsmaßnahmen möglich und Optimierungen der Habitate zwingend erforderlich.
Die hierfür notwendigen Schritte haben wir für ein Strategietreffen am Bayerischen Landesamt für Umwelt (Augsburg) in einem Diskussionspapier zusammengefasst.
Habitatsanierung beginnt im Einzugsgebiet. Zum Thema Flussperlmuschel und Landwirtschaft haben wir - ebenfalls für das Landesamt für Umwelt - Thesen formuliert.
Artenhilfsmaßnahmen
Alle großen Süßwassermuscheln leben am Gewässergrund, wo sie sich filtrierend aus dem Wasser ernähren. Ihr Entwicklungszyklus verläuft über eine parasitische Phase am Wirtsfisch, der je nach Art unterschiedlich ist. Die zunächst im Gewässerboden eingegrabenen jungen Muscheln tauchen erst nach einigen Jahren wieder an der Substratoberfläche auf.
Nahezu alle Bestände der Flussperlmuschel und Bachmuschel in Europa sind stark überaltert: Ihr komplizierter Entwicklungszyklus ist an vielen Stellen anfällig für Störungen und aus unterschiedlichen Gründen unterbrochen. Maßnahmen zum Erhalt der Süßwassermuscheln müssen daher an allen Stadien des Zyklus ansetzen.
Entwicklungszyklus der Flussperlmuschel. Zeichnung: Annick Servant, Foto Larven: Prof. Dr. Gerhard Bauer,
alle übrigen Fotos: Schmidt & Partner.
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Künstliche Infektionen
Larven (sog. Glochidien) der Muscheln werden von uns schonend, d.h. ohne Schädigung der Alttiere gewonnen. Mit ihnen werden die jeweiligen Wirtsfische der Muscheln künstlich infiziert. Durch die hohe Glochidienkonzentration im Infektionsbad können sich an den Wirtsfischen viel mehr Larven als bei der natürlichen Infektion im freien Bachwasser encystieren.
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Wirtsfischkontrolle und autochthone Infektion
Ein ausreichendes Wirtsfischaufkommen im natürlichen Lebensraum ist ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Reproduktion der Muscheln. Mittels elektrischer Befischung überprüfen wir den Fischbestand. Die gefangenen Wirtsfische können, bevor sie unbeschadet wieder ausgesetzt werden, direkt am Gewässer künstlich mit Muschellarven infiziert werden. Sofern innerhalb der Fischfauna Defizite bestehen, suchen wir nach Gründen und ergreifen wirksame Maßnahmen zur Habitatverbesserung.
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Monitoring und Evaluierung
Die wissenschaftliche Erfolgskontrolle ist für uns unverzichtbarer Teil der Projektumsetzung. Durch Auszählung der beim Wannenbad erzielten Parasitierungsraten - wie hier an den Kiemen des Wirtsfisches – können wir den Infektionserfolg überprüfen. Die anschließende Vermessung der Glochidiengröße erlaubt, Anzahl und Zeitpunkt der abfallenden Jungmuscheln zu bestimmen.
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Jungmuschelgewinnung und -hälterung
Durch die Infektion von gezüchteten Wirtsfischen und anschließende Hälterung ist es möglich, Jungmuscheln zu gewinnen. Sie können direkt im Bach ausgesetzt werden. Daneben führen wir mit ihnen auch wissenschaftliche Hälterungsversuche durch, um mehr über die Habitatansprüche der besonders empfindlichen frühen Lebensstadien zu erfahren.
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Wiederherstellung natürlicher Gewässer
Die in verschiedenen Projekten auch von uns praktizierte Aufzucht von Jungmuscheln hat i.d.R. hohe Hälterungsverluste, so dass der intensive und andauernde Betreuungsaufwand nur in besonderen Fällen gerechtfertigt ist.
Zentrale Aufgabe in allen Schutzprojekten muss die Sanierung der Gewässer als muscheltauglicher Lebensraum sein. Ansonsten haben auch ausgewilderte Tiere keine Chance auf ein Überleben.
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Gefährdungsanalyse und Habitatverbesserung
Da die von Muscheln bewohnten Fließgewässer wie Netzadern die Landschaft durchziehen, sind sie stark von ihrem Umland beeinflusst. Die GIS-gestützte Inventur schädigender Einflüsse setzt daher am gesamten Einzugsgebiet an. Aus dieser Analyse leiten wir die notwendigen Sanierungsmaßnahmen ab. Hierzu können Renaturierungen, die Einrichtung von Uferstreifen und Schlammfängen, Wiedervernässungen oder auch die Abwasserfreilegung und Änderungen der Landnutzung zählen.
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